
Wie ein Spaziergang mit Anuschka zu "Rolfs Schulweg-Hitparade" führte
Kinder erleben den Straßenverkehr anders als Erwachsene. Ihre Sicht ist eingeschränkt, Entfernungen und Geschwindigkeiten lassen sich schwerer beurteilen, und zwischen parkenden Autos können sie schnell übersehen werden. Rolf erinnert sich, wie er einmal mit seiner vierjährigen Tochter Anuschka auf der Straße unterwegs war. Er begab sich auf die Augenhöhe des Kindes und erlebte, dass die Welt der Kinder im Straßenverkehr sich stark von der erwachsenen Perspektive unterschied. So entstanden ab 1975 die ersten Reime und Rhythmen von "Rolfs Schulweg-Hitparade". Diese Beobachtung wurde zum Ausgangspunkt für Lieder, die den Schulweg konsequent aus der Perspektive der Kinder erzählen.
Die ersten Entwürfe nahm Rolf mit in das Kinderhaus seiner Tochter. Dort wurden sie schon bald begeistert gesungen. Für ihn war das eine wichtige Bestätigung: Die Kinder fanden sich in den Geschichten wieder und machten deutlich, dass der Blick auf ihren Alltag genau der richtige Ausgangspunkt war. Eines der bekanntesten Stücke aus diesem Umfeld ist "Mein Weg zur Schule". Es erzählt vom Unterwegssein am Morgen und von all den kleinen Situationen, die schon vor dem ersten Klingeln zum Schultag gehören.
Ein ganzes Album mit Verkehrssicherheitsliedern?
Nach dem Erfolg von "Rolfs Vogelhochzeit" arbeitete Rolf bereits an einem neuen Album. Die ersten Reaktionen auf "Rolfs Schulweg-Hitparade" fielen jedoch verhalten aus. Seine damalige Plattenfirma Phonogram hielt die Lieder für zu pädagogisch und konnte sich eine Veröffentlichung zunächst nicht vorstellen.
Rolf blieb bei seiner Überzeugung und wechselte zu Polydor. Gleichzeitig suchte er Menschen, die den Gedanken hinter den Liedern verstanden. Eine wichtige Begegnung fand in der Kantine des NDR statt. Dort stellte er dem damaligen BILD-Chefredakteur Peter Bartels seine neuen Stücke vor.
Bartels gefiel der Ansatz. Wenig später entstand die Zusammenarbeit mit der Aktion "Ein Herz für Kinder", die dem Projekt zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffte. Im Spätsommer 1979 erschienen schließlich die LP und das begleitende Notenheft von "Rolfs Schulweg-Hitparade".

Bereits 1980 begann die erste bundesweite Tournee im Rahmen der Aktionen "Kind und Verkehr" und "Ein Herz für Kinder". Damit war der Weg frei für ein Album, das weit über seine ursprüngliche Idee hinaus bekannt werden sollte.

Wenn bei einem Kinderlied jedes Wort stimmen muss
Schon während der Arbeit an "Rolfs Schulweg-Hitparade" war Rolf wichtig, dass die Lieder fachlich stimmig blieben. Unterstützung erhielt er vom damaligen Polizeiverkehrslehrer Ekkehard Eichberg aus Hamburg-Blankenese. Gerade bei einem Thema wie dem Schulweg konnten kleine sprachliche Unterschiede entscheidend sein.
Rolf erinnert sich:
"Dass eine Straße nicht dasselbe ist wie eine Fahrbahn und viele andere sprachliche Feinheiten hat er mir beigebracht und damit wesentlich zum Erfolg der Schulweg-Hitparade beigetragen."
Auch musikalisch erhielt "Rolfs Schulweg-Hitparade" ihre besondere Handschrift. Rolfs langjähriger Wegbegleiter und Arrangeur Joe Kirsten gab den Liedern ihren unverwechselbaren Klang. Seine Arrangements waren so angelegt, dass die Stücke auch nach häufigem Hören lebendig blieben – zu Hause, in Schulen und Kindergärten.
Die Zusammenarbeit mit Joe Kirsten trug dazu bei, eine Liedersammlung zu machen, die bis heute Generationen von Familien begleitet und die auch in Dauerschleife im Auto gehört werden konnte. So verbanden sich musikalische Leichtigkeit mit einer sorgfältigen Beobachtung des Kinderalltags – ohne dabei wie eine vertonte Unterrichtsstunde zu wirken.
Warum die Liedersammlung neu aufgenommen wurde
Nach vielen hundert Konzerten entschloss sich Rolf Anfang der 1990er-Jahre, "Rolfs Schulweg-Hitparade" vollständig neu zu produzieren. Seit der Veröffentlichung von 1979 hatten sich Verkehrsregeln, gesellschaftliche Diskussionen und musikalische Hörgewohnheiten verändert. Auch Erfahrungen aus Schulen, Kindergruppen und der Verkehrserziehung flossen in die Überarbeitung ein.
1992 erschien schließlich "Rolfs neue Schulweg-Hitparade". Mit der Neuaufnahme griff Rolf die ursprüngliche Idee noch einmal auf und passte die Liedersammlung an die veränderte Lebenswirklichkeit von Kindern im Straßenverkehr an.
Einige Titel der ursprünglichen Fassung wurden nicht übernommen, andere kamen neu hinzu. Dazu gehörten "Hallo, siehst du mich?", "Heute bleibt das Auto stehn", "Aus der Traum" und "Linker Schuh – rechter Schuh". Auch "Schulbus", das zuvor auf "Radio Lollipop" erschienen war, fand seinen Platz in der neuen Zusammenstellung.
Eine besondere Verbindung zur ersten Ausgabe blieb erhalten: "Ich hab’ mich verlaufen", Anuschkas erstes Sololied, ist weiterhin in der Originalaufnahme aus dem Jahr 1979 zu hören.
"Alle machen Fehler" und die ZDF-Verfilmung
Zur neuen "Schulweg-Hitparade" entstand 1993 eine aufwendige ZDF-Verfilmung. Gedreht wurde mitten im Hamburger Straßenverkehr. Für geeignete Kamerapositionen mussten Fahrbahnen kurzfristig gesperrt werden, was bei manchen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern für wenig Begeisterung sorgte. Durch die Sendung führte die Handpuppe "Gustav Sommer", gespielt von Siegfried Böhmke. Die Produktion machte viele Lieder der neuen Sammlung auch visuell erlebbar.
Als Fundstück aus dieser Verfilmung könnt Ihr Euch hier das Musikvideo zu "Alle machen Fehler" anschauen. Das Lied greift auf, dass Aufmerksamkeit, Rücksicht und der Umgang mit eigenen Fehlern zum Alltag im Straßenverkehr gehören.
Weitere Videos entdecken
Neben „Alle machen Fehler“ findet Ihr in der Playlist weitere Musikvideos aus der ZDF-Verfilmung von „Rolfs neuer Schulweg-Hitparade“.
Warum die "Schulweg-Hitparade" bis heute aktuell ist
Am Anfang von "Rolfs Schulweg-Hitparade" standen Reime und Rhythmen. Es war ein gemeinsamer Weg mit der vierjährigen Anuschka und Rolfs Bereitschaft, den Straßenverkehr einmal aus der Sicht eines Kindes zu betrachten.
Aus dieser Beobachtung entstand eine Liedersammlung, die den Schulweg aus der Perspektive der Kinder erzählt. Gerade deshalb begleiten die Lieder bis heute viele Familien – weil sie den Schulweg nicht aus Erwachsenensicht erklären, sondern aus der Lebenswelt der Kinder erzählen.
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→ Wenn aus Liedern Verantwortung wächst
Wie aus Rolfs Liedern Gespräche, gemeinsame Projekte und ein Engagement entstanden, das weit über einzelne Veröffentlichungen hinausreicht.
